andere Aufzüge

Eigentlich machen solche Aufzüge nur in ganz bestimmten Situationen Sinn. Für einen reibungslosen Eisenbahnbetrieb waren die Dinger schon während ihrer Bau- und Nutzungszeit nämlich viel zu langsam. Der Prozessablauf sah etwa wie folgt aus:

  • aus dem Zugverband herauskoppeln (Bremsverbindung und Zugverbindung lösen)
  • mit langsamer Fahrt und einzeln auf die jeweilige Hebebühne fahren, entweder wurden hierfür Seilwinden, Pferde oder Rangierloks genutzt
  • Waggon auf dem Aufzug sichern
  • Fahrt mit dem Aufzug
  • Entsichern des Waggons
  • Ausfahrt aus dem Aufzug und Transport zum Zielort (Entladung oder Rangierbahnhof)

So benötigte der Transport eines einzelnen Waggons in Summe ca. dreißig Minuten und natürlich entsprechendes Personal zum Bedienen der gesamten Technik.

So gab es nur wenige andere Exemplare und die meisten davon sind schon längst wieder verschwunden. Hier und da finden sich noch ein paar Hinweise, einige werden hier nach und nach vorgestellt.

1. Dessau-Wallwitzhafen

Der alte Hafen von Dessau hatte einen Waggonaufzug mit einem recht geringen Höhenunterschied. Das Gebäude wurde massiv errichtet, der Aufzug hat lediglich einen Unterschied von ca. zwei Metern überwunden. Der „Antrieb“ erfolgte mit einen Wassertank als Gegengewicht, der je nach Bedarf gefüllt bzw. geleert wurde, die Pumpe hat dann immer nur das Wasser aus dem Gegengewicht ins Vorratsbecken bzw. andersherum befördert.

2. Waggonaufzug bei der Phoenix AG in Essen.

Im Forum von Drehscheibe-Online gibt es einen sehr interessanten Beitrag, bei dem alte Katalogfotos der DEMAG gezeigt werden und weitere Ergänzungen zur Geschichte der Objekte dargestellt werden. Die Anlage existiert nicht mehr.

3. Trajekt Ruhrort-Homberg

Die Trajektgesellschaft (Eisenbahnfähre über den Rhein) hat lt. Wikipedia auf beiden Seiten des Flusses Aufzugsanlagen für Waggons betrieben. Die Betriebszeit begann 1856 und endete bereits 1885. Der Homburger Turm steht noch, auf der anderen Rheinseite wurde der Turm abgerissen. Auf der Webseite der „Route Industriekultur“ gibt es eine umfangreiche Darstellung zum noch vorhandenen Turm. Interessanterweise wurde die technischen Anlagen durch englische Unternehmen geliefert, es liegt also nahe, das im Ursprungsland der Industrialisierung entsprechende Anlagen im Einsatz waren.

4. Waggonfabrik in Schlieren

Im Jahr 1924 wurde ein Aufzug erstellt durch Fa. Locher (das Stadtarchiv Zürich führt lt. Online-Verzeichnis eine Bau- und Konstruktionsakte für einen elektrischen Waggonaufzug). Unterlagen sind angefordert.

5. Aufzug im Tagebau Rüdersdorf

Im Kalksteinbruch Rüdersdorf wurden kleine Bergbauloren mit einem Schrägaufzug befördert, die Loren sind deutlich kleiner als Eisenbahnwaggons. Der Aufzug ist nicht mehr vorhanden, weitere technische Informationen liegen nicht vor.

6. Aufzug im Anhalter Güterbahnhof (Berlin)

Auf dem Geländes des Anhalter Güterbahnhofs befand sich ebenfalls ein Waggonaufzug, der relativ ausführlich in den Berliner Zentralblatt der Bauverwaltung dokumentiert wurde. Das Antriebsprinzip ähnelt dem Aufzug in Eberwalde, nur wurde hier ein massives Gebäude errichtet.

Teil 1 im Heft 2 aus dem Jahr 1882, Seite 29-30

Teil 2 im Heft 6 aus dem Jahr 1882, Seite 50-51

Das das Gelände nach dem zweiten Weltkrieg weitestgehend ungenutzt bliebt, erfolgten umfangreiche Abrissmassnahmen, ich gehe davon aus, das der Aufzug nicht mehr aufzufinden ist. Heute befindet sich auf dem Gelände das Berliner Tempodrom, eine Schule, sowie Wohn- und Geschäftsgebäude.

Update 29.09.2014:

Nach der Lektüre des Buches „Anhalter Bahnhof – Entwicklung und Betrieb“ von Rainer Knothe steht fest, das es den Aufzug tatsächlich gab und er auch in Betrieb war. Er befand sich in der Nähe der Bahnhofshalle, ist noch auf Luftaufnahmen von 1919 erkennbar, allerdings im Gleisplan von 1943 bereits verschwunden. Auf den oben eingefügten Bauakten ist auch der Gewichtsausgleich und der Antrieb gut erkennbar.

Herzlichen Dank an Norbert Heintze von www.eiskeller-brandenburg.de für den Hinweis und die Unterlagen.

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